Bindungstrauma
Den eigenen Gefühlen näherkommen.

In unserer Kindheit erleben wir viele Dinge, die uns prägen. Eine der stärksten Erfahrungen ist die Bindung zu unseren Bezugspersonen, meist unseren Eltern. Diese Bindung ist wie ein unsichtbares Band, das uns mit den Menschen verbindet, die uns lieben und schützen sollten. Wenn diese Bindung jedoch gestört ist, kann das tiefgreifende Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit haben. Viele Menschen leiden im Erwachsenenalter unter Ängsten, Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen, ohne zu wissen, dass ihre Wurzeln oft in einem sogenannten Bindungstrauma liegen.
Ein Bindungstrauma kann entstehen, wenn die Beziehung zu unseren Bezugspersonen von Unsicherheit, Vernachlässigung oder sogar Missbrauch geprägt ist. Vielleicht haben wir in unserer Kindheit oft das Gefühl gehabt, nicht genug zu sein oder nicht geliebt zu werden. Diese Erfahrungen können dazu führen, dass wir uns in sozialen Situationen unwohl fühlen, Angst vor Ablehnung haben oder uns zurückziehen. Es ist, als ob wir in einem ständigen Zustand der Alarmbereitschaft leben, weil wir gelernt haben, dass Nähe gefährlich sein kann.
Die Folgen eines Bindungstraumas sind vielfältig. Viele Betroffene berichten von einem inneren Gefühl der Leere oder von einer ständigen Traurigkeit, die sie nicht erklären können. Sie fühlen sich oft isoliert, als würden sie in einer Welt leben, die nicht für sie gemacht ist. Ängste können sich in verschiedenen Formen zeigen: Angst vor Nähe, Angst vor dem Verlust geliebter Menschen oder sogar Angst vor dem eigenen Selbst. Diese Gefühle sind nicht einfach „schlechte Laune“ oder „Schwäche“ – sie sind das Ergebnis von tief verwurzelten, schmerzhaften Erfahrungen.
Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Gefühle nicht unser Fehler sind. Sie sind eine natürliche Reaktion auf das, was wir erlebt haben. Wenn wir uns mit unseren Emotionen auseinandersetzen, können wir beginnen, die Ursachen für unser Leiden zu erkennen. Der Weg zur Heilung kann herausfordernd sein, aber er ist auch eine Reise zu uns selbst. Es geht darum, die eigenen Gefühle ernst zu nehmen und zu lernen, sie zu akzeptieren.
Ein erster Schritt kann sein, sich bewusst Zeit für sich zu nehmen. Setze dich an einen ruhigen Ort, schließe die Augen und atme tief ein und aus. Frage dich, was du wirklich fühlst. Vielleicht ist es Traurigkeit, Angst oder sogar Wut. All diese Gefühle sind legitim und verdienen es, gehört zu werden. Schreibe deine Gedanken auf oder sprich mit jemandem, dem du vertraust. Es ist wichtig, dass du dich nicht allein fühlst.
In der Therapie können wir gemeinsam daran arbeiten, die Wurzeln der Ängste und belastenden Gedanken zu erforschen. Wir können herausfinden, wie das Bindungstrauma dein Leben beeinflusst und welche Schritte du unternehmen kannst, um gesunde Beziehungen aufzubauen und dir selbst wieder näher zu kommen. Es gibt Hoffnung, und es ist möglich, aus dem Schatten der Vergangenheit ins Licht zu treten.
Denke daran: Es ist nie zu spät, sich mit seinen eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Jeder Schritt, den du auf diesem Weg machst, ist ein Schritt in Richtung Heilung und Selbstakzeptanz. Du bist nicht allein und deine Gefühle sind wichtig. Lass uns gemeinsam diesen Weg gehen.